Türken-Sam - Eine deutsche Gangsterkarriere [Rezension]

[Ali Sirin] Wie geht eine Gesellschaft mit ihren Schwächsten um? Wie behandelt sie jene, die die hiesigen Normen und Werten missachten? Was passiert, wenn die soziale Gerechtigkeit oder Solidargemeinschaft auseinander fällt? Auf diese Fragen gibt es unterschiedlichste Antworten, die natürlich auch politisch gefärbt sind. Mit dem Buch „Türken-Sam - Eine deutsche Gangsterkarriere“ werden solch ähnliche Fragen aus der Sicht eines sogenannten „Verlierers“ thematisiert. Es ist die Geschichte eines jungen Türken namens Cem Gülay, der eine Gangstarkarriere einschlägt, einer diskriminierenden Ablehnung der hiesigen Gesellschaft durch Betrug und Gewalt begegnet oder entflieht.

 

tuerken_sam.jpgTrotz Abitur, sucht er sein Glück im zwielichtigen Milieu, wo er schnell Karriere macht und mit Gewalt sich Respekt erkämpft. Doch er ist ein „ehrenhafter Gangster“, der nichts mit Zuhälterei oder Drogengeschäften zu tun haben möchte, sondern lieber reichen Menschen, die selber Steuern hinterziehen, durch das Warentermingeschäft das Geld aus den Taschen zieht. Ein Leben in Saus und Braus, die er als Arbeiterkind sich niemals erträumt hätte. Aufstieg und Fall einer Gangstarkarriere und die Furcht vor dem Dasein als bürgerlicher Nichtsnutz. Eine klassische Geschichte und doch irgendwie stets interessant.

 

Die Lebensgeschichte Cem Gülays, die Sorgen und Sehnsüchte, mit der er sich herum plagt sind interessante Aspekte des Buchs, aber auch die Charakterbeschreibungen seiner kriminellen Mitstreiter. Das Buch und die darin erzählte Geschichte des kriminellen Werdegangs Cem Gülays erinnern ein klein wenig an „Malcom X, die Autobiographie“. So fragt er wie Malcom X, was aus den Ganoven geworden wäre, wenn sie eine bürgerliche Karriere eingeschlagen hätten.

 

Cem Gülay hat jedoch eine zweifelhafte und populistische politische Botschaft an seine Leser: Wenn Deutschland die Diskriminierung und Benachteiligung der Migranten nicht lösen kann, dann werden die Innenstädte brennen! Er prophezeit ein Teufelskreis der Gewalt zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen. So einfach und vereinfachend ist seine Botschaft. Hier liegt leider die Schwäche des Buchs.