Eindrücke aus der 3. Hauptversammlung der Alevitischen Union Europa e.V.

[Özden Dogan] In diesem Jahr fand vom 06. bis 07.02.2010 die dritte Hauptversammlung der Alevitischen Union Europa e.V. statt. Der Versammlung wohnten neben den Delegierten von 250 unterschiedlichen alevitischen Gemeinden aus 13 unterschiedlichen Ländern, Gäste, wie unter anderem Armin Laschet, der Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration in NRW, die Bürgermeisterin und erste Vertreterin des Oberbürgermeisters der Stadt Köln, Elfi Scho-Antwerpes und der Vorsitzende der Alevitisch-Bekatischitischen Gemeinde Türkei, Ali Balkiz bei.

                                                

Die Versammlung begann mit der Begrüßungsrede des Stellvertretenden  Bundesvorsitzenden der Alevitischen Gemeinde Deutschlands e.V., Ali Ertan Toprak und der Vorstellung der Schüler, die seit einem Jahr den alevitischen Religionsunterricht besuchen. Als die Kinder danach gefragt wurden, was sie im Unterricht lernen, antworteten sie mit den Worten: “Wir lernen die 12 Dienste, die 12 Imame und wir lernen Menschen zu lieben“.

 

aabk_koeln.jpgIm Anschluss folgten die Reden der Gäste der Hauptversammlung. Minister Armin Laschet betonte in seiner Rede, wie wichtig Bildung für Kinder sei, die in Köln zu 50% einen Migrationshintergrund besitzen und freute sich über den Spaß und den Fortschritt der Schüler des alevitischen Religionsunterrichts, während die restlichen Gäste den Beitrag der alevitischen Gemeinden zur einer erfolgreichen Integration lobten. Ali Balkiz sprach über die Probleme, die Aleviten immer noch in der Türkei tagtäglich zu erdulden haben und sagte, dass der Fortschritt der Alevitischen Organisationen in Europa etwas wäre, was in der Türkei in dieser Form noch nicht erreicht werden konnte. Er kritisierte die türkische Regierung, indem er ihr vorwarf, für die Dialogarbeit mit Aleviten, die Menschen zu kontaktieren, die nicht im Entferntesten etwas mit dem Alevitentum zu tun haben. Es gäbe nur einen Weg, die türkische Assimilationspolitik aufzuhalten: Man müsse zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen.

 

Turgut Öker, der Vorsitzende der Alevitischen Union Europa, formulierte in seiner Ansprache die zukünftigen Ziele der Union. Es sei an der Zeit, dass die Aleviten in Europa auch in Brüssel vertreten seien und dass Professionalität das Ziel der Verbandsarbeit der alevitischen Organisationen werden müsse. Er erinnerte sich an die schwierige Zeit der Aleviten in Deutschland, als diese hierher einwanderten und meinte, dass in relativ kurzer Zeit viel erreicht worden wäre. So müsse es auch in Zukunft weitergehen.

 

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden über verschiedene Projekte der Länder berichtet. Das Modell “Alevi Business Network” stellte sich und seine Arbeit vor, während die Alevitische Gemeinde Frankreich ein Modell zur Neuorganisation der Alevitischen Union Europa präsentierte. Und so endete der erste Tag der Hauptversammlung.

 

Am zweiten Tag standen die Neuwahlen des Vorstandes an. Als Vorsitzender wurde zum dritten Mal Turgut Öker (Alevitische Gemeinde Deutschland) gewählt, während Ismail Ataş (Schweiz), Mehmet Ali Çankaya (Österreich) und Adnan Yılmaz (Niederlande) zu den Stellvertretern des Vorsitzenden gewählt wurden. Als Generalsekretäre wurden gewählt: Ali Ertan Toprak (Deutschland), Bülent Ant (Schweiz) und Feramuz Acar (Dänemark).

 

Was nimmt man aus der dritten Hauptversammlung der Alevitischen Union Europa mit?

Man stellt fest, dass Aleviten auf dem gesamten Globus verteilt sind und dass sie, obwohl alle in unterschiedlichen Ländern leben, die gemeinsamen Ziele verfolgen und eins sind. Man begreift, was alle verbindet und warum es sich lohnt, weiterhin die Verbandsarbeit zu verfolgen, die Integration der alevitischen Bevölkerung in den unterschiedlichen Ländern zu stärken und sich für eine angemessene Interessenvertretung der Aleviten in Europa einzusetzen. Dass es funktionieren kann, beweist die Geschichte des Verbandes. Nicht umsonst lautete das Motto der Hauptversammlung “Birlikten Kuvvet Doğdu“ -  „Aus der Gemeinschaft ist unsere Kraft geboren“.

 

*Foto: Filiz Palabiyik