Juleica-Seminar in Solingen – 2.Teil

[Abuzar Erdogan] Der zweite Teil des vom Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland e.V. (BDAJ) in Partnerschaft mit der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej) organisierten Juleica-Seminars ist vollbracht. Vom 2.- bis zum 6.Januar trafen sich die Jugendlichen um durch Kommunikation, Methode und Verantwortung die Legitimation zum Jugendleiter zu erhalten. Das Vermitteln dieser Aspekte prägte in Form von Gruppenarbeit, Peer Education, Präsentation oder auch in Form von Rollenspielen die Tagesordnung der Schulung.

 

Nach einer kurzen Begrüßungsrunde ging es zu Ehren des Alevitischen Hizirmonats mit einer Andacht weiter. Friede, Gender, Partizipation und Ökologie spielten in der Andacht, die mit Wünschen für das Jahr 2010 vorgesehen waren, eine beträchtliche Rolle. Anschließend hieß es Praxis-Theoriefelder mit Beispielen in rotierenden Kleingruppen zu konzipieren. Theorie und Praxis ist nicht nur das Fundament für die Veranschaulichung von politischen Themen in Bezug auf Situationen in den Gemeinden, sondern auch zur Beobachtung der Kommunikation, Disziplin und Energie der Gruppe. Eine Simulation, welche einen Stadtbau darstellte, zeigte durch das Verteilen von Kompetenzen wie beispielsweise die Einteilung in Industriebeauftragter, Stadtdirekter oder Bürger das Aufeinanderfunktionieren der Gruppe. „Wir brauchen dringend eine Kaserne in unserer Stadt, um Angriffe und Plünderungen zu vermeiden“, teilte Enver seinem Team als Stadtdirektor mit während er einen Bauklotz auf der entsprechenden Stelle auf der Stadtkarte positionierte. Eine weitere Gruppe mit hohem Frauenanteil präsentierte ihre Einkaufsmeile. „..Und hier ist unsere Einkaufspassage“, sagte Efsun.

 

juleicaseminar-kl.jpgNeben gruppenpädagogischem und leitungsbezogenem Schwerpunkten wurden auch rechtliche Fragen wie zum Beispiel: „Worauf darf ich als Jugendleiter zurückgreifen?“ oder: „Was umfasst die Aufsichtspflicht?“ aufgegriffen. Anhand von verschiedenen, im ehrenamtlichen Alltag auftretenden Problematiken wurden die rechtlichen Bedingungen und Zuordnungen von alltäglichen Beispielen aufgearbeitet. Von Wichtigkeit sind hierbei die Verantwortung sowie die Pflicht, die ein jeder Jugendleiter verinnerlichen muss. Im Anschluss einer von Rechtsfragen orientierten Zeitspanne konnten die Jugendlichen auch die Möglichkeit ergreifen, um ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Es stand ein Begegnungsabend mit der Evangelischen Jugend an. Kreativität und Zielorientierung setzten nun die Maßstäbe. In Arbeitsgruppen kümmerten sich die Alevitischen Jugendlichen um das verständliche Vermitteln des Alevitentums sowie das Beibringen der traditionellen Halay als auch das Aufstellen eines Buffets. Die Alevitische Jugend nutzte diese Chance, um einen positiven Beitrag zum interkulturellen Dialog und Austausch zu leisten. Entstanden ist ein Abend voller Harmonie und Brüderlichkeit. „Die Offenheit hat die äußerst gute Atmosphäre zu Stande gebracht“, berichtete Eren. Für ihn war es von Wichtigkeit die Baglama vorzustellen, die im Alevitentum eine bedeutende Rolle einnimmt. Mit einem gemeinsamen Spiele – und Diskussionsabend kehrte die Alevitische Jugend schließlich zu ausbildenden Seminarinhalten zurück.

 

Das Thema Umgang mit Konflikten war nun der Kern des Tagesablaufs. Zunächst war es wichtig im ehrenamtlichen Engagement Konfliktauslöser zu benennen. Rollenspiele, die expliziert auf eines der Konfliktauslöser eingingen, demonstrierten die schnelle Möglichkeit einer Eskalation im Aufgabenbereich eines Jugendleiters. „Du hättest dies vorher mit mir absprechen müssen, ich fühle mich respektlos behandelt“, spielte Yagmur die Rolle einer Jugendleiterin, die auf Uneinigkeit mit ihrem Jugendleiterpartner Eren gestoßen ist. Schnell wurde klar, von welch großer Wichtigkeit es ist, einen respektvollen Umgang zu suchen, vor allem aber eine mit Moderation geführte Aussprache. Ein verwandtes Topic, nämlich die Projektplanung stand nun an. Konzeptionen wurden zu verschiedenen Veranstaltungen erstellt, Präsentationsformen ausgearbeitet und bewertet.

 

Das Seminar bot für die Teilnehmer eine hervorragende Cahnce zum Vorantreiben und Ausbauen der Jugendarbeit. Es herrschte eine nahezu perfekte Metamorphose zwischen dem Seminarprogramm und der Freizeitgestaltung, die oftmals von Kamingesprächen über das Alevitentum begleitet worden ist. „Ich bedanke mich recht herzlich im Namen der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V. für euren großen Einsatz für die Teilhabe am  Fortschritt der Jugendarbeit. Es ist ein Zeichen, dass die Verbandsarbeit in guten Händen ist und somit auch die Zukunft unseres Verbandes gesichert ist“, so Aziz Aslandemir (Seminarleiter, AABF-Bundesvorstand) mit. Einen großen Dank formulierten die Jugendlichen auch an Luise Pavlovsky, die Tag und Nacht für die Jugendlichen Anwesenheit zeigte und für eine lehreiche Woche und zufriedene und traurige Gesichter gesorgt hat. ´Traurig´, da keinerlei Heimweh auch aufgrund der guten Ausstattung des Hackhauser Hofes entstanden ist. 


Yilmaz Kahraman (Seminarleiter, Coaching Projekt BDAJ-AEJ) fügte hinzu: „Ich danke auch vielmals dafür, dass ihr Zeit aufwendet, um die Gesellschaft durch ehrenwerte Arbeit zu fördern und dazu beizutragen, dass die BDAJ mit großen Erfolgen wächst. Danke!“