[Ismail Kaplan] Zu
den Quellen der alevitischen Lehre: In diesem Kapitel werden die
Glaubensaussagen und der Glaubensvollzug nach den Kenntnissen und Praktiken
beschrieben, die in unsere Zeit teils schriftlich, teils mündlichüberliefert wurden und auch heute in den
alevitischen Siedlungsgebieten in der Türkei und in Europa gelten. Dabei dienen
vornehmlich Aussagen, die auch mit den schriftlichen Quellen übereinstimmen,
als Maßstab.
[Levent Mete] Konkret: der alevitische Gottesdienst wird immer
unauthentischer, schiitischer, oberflächlicher, organisatorisch chaotischer und
bedient sich dank einiger übereifriger Dedes (die sich auf ihre Herkunft
berufen und sich somit das Recht nehmen, entscheiden zu dürfen, was richtig und
falsch für die Alevîs ist) immer mehr orthodoxer Methoden. Auf
der anderen Seite haben wir die gutmütigen Dedes, die zwar mit Leib und Seele
an ihre Bestimmung glauben, und auch in Glaubensfragen sehr kompetent sind,
dies aber leider nicht an die Anwärter, besonders an die junge Generation
vermitteln können.
Der Heilige Hüseyin wird im Jahr 680 n.Chr.
nach Kufe gerufen um die unrechtmäßige Herrschaft Yezids zu beenden. Er und seine Gefolgsleute werden allerdings von Yezids Armee
in der Wüste zu Kerbela (im heutigen Irak) gestellt und gezwungen tagelang
ohne Essen und vor allem Wasser auszukommen. Yezid will Hüseyin so dazu
zwingen, dass dieser die Rechtmäßigkeit seiner Herrschaft anerkennt. Hüseyin
macht das nicht und die Tragödie endet mit der Ermordung Hüseyins.
[Yilmaz Kahraman] In fast allen alevitischen
Familien findet man die Saz, eine Langhalslaute mit meist sechs Saiten. Das
Wort „Saz“ stammt aus dem Persischen und bedeutete ursprünglich „Instrument“. Da
die Langhalslaute in Anatolien das Instrument an sich war, setzte sich hier der
Begriff „Saz" durch. Es gibt sie in verschieden Größen, wobei die gängigsten
drei Formen die lange Saz (türk.: Divan
Sazı), die klassische mittlere Größe (türk.:Bağlama) und die kurze Form (türk.:Cura) bilden.
[Ismail Kaplan] Während sunnitische Gelehrte
gewöhnlich in arabischer Sprache zu den Leuten predigten, bevorzugte Hacı
Bektaş Veli die türkische Sprache. Die Gedanken, die Hacı Bektaş Veli damals den Menschen
vortrug, waren für seine Zeit revolutionär.